17.11.2011

von B°-MS / Michael Horling

Friedensweg eingeweiht

Kultur begehen: Der "Euerbacher Kulturachter" hat nun ein begehbares "Friedensdenkmal" bekommen.

Foto Michael Horling

Auf ihren "Kulturachter" ist die Gemeinde Euerbach nicht grundlos stolz. Der historische Wanderweg in Form der Zahl, 7,25 Kilometer lang, durch den Ort sowie südlich und nördlich davon durch die Felder führend, hat nun ein paar weitere Stationen dazu bekommen. 17 sind es jetzt ingesamt, weshalb die Begeher mindestens zweieinhalb Stunden Zeit mitbringen sollten. Der Friedensweg mit einem außergewöhnlichen und begehbaren Denkmal wurde nun feierlich eingeweiht. 55.000 Euro kostete das Projekt, wovon das Amt für ländliche Entwicklung 65 Prozent, also 36.000 Euro bezuschusste.

"Ein Mahnmal der Versöhnung" soll es laut Bürgermeister Alfons Arnold sein, was da nahe der einstigen Heeresstraße entstand, die nun eine "Friedensstraße" sein soll; eine Verbindung zum später folgenden Friedensweg. Die mittelalterliche Straße, die von Hambach über Euerbach nach Arnstein führte, wurde 1943 von russischen Kriegsgefangenen mit Zement befestigt. Und zwar deshalb, um leichter zum so genannten "Lager Wildschwein" zu kommen. Dort lebten einst zum Ende des Weltkriegs bis zu 200 Personen. Sie erfassten die feindlichen Flieger, die gleich nebenan in der Radarstellung "Haderäcker" erkannt wurden. Der Sockel, auf dem einst das riesige Radargerät stand, ist heute noch zu sehen und ist der Mitelpunkt des nun mit einer Baumpflanzung eingeweihten Friedensdenkmals. Oben kann man von einem Aussichtspunkt nicht nur bis nach Euerbach schauen. Auf dem Weg nach unten am Sockel vorbei sollen die acht Nationenbäume der am Krieg beteiligten Länder eine Mahnung zur Versöhnung sein. Für Deutschland wurde beispielsweise eine Linde gepflanzt, für Israel eine Zeder, für die USA ein Ahorn.


Der sich an den Bäumen vorbei schlängelnde Fußweg besteht aus Betonstücken der alten Heeresstraße. An der hat man bewusst eine Mauer erhalten und von den Kindern der örtlichen 4. Klasse mit Regenbogenfarben und Menschen, die sich einander die Hände halten, bemalen lassen. Zwei weitere Bausteine entstehen noch an Beginn und Ende der Friedensstraße: Mit Begriffen wie "Neugier", "Zuhören", "Offenheit", "Toleranz" und "Völkerverständigung" und einer Friedenstaube soll dabei der Wandel von der Heeres- in die Friedensstraße ausgedrückt werden. Oben wird dann in acht verschiedenen Sprachen das Wort "Frieden" zu lesen sein.

Den Volkstrauertag als Gedenktag erachtete Schirmherr Gerhard Eck als idealen Termin für die Eröffnung des begehbaren Denkmals. "Tiefere Fundamente des Friedens" brauche das "Haus Europa", so der Innenstaatssekretär, "und nicht nur wirtschaftliche Fundamente". Maßnahmen wie diese seien "lebensnotwendig, um die Menschen mit der Region zu verwurzeln, um die Geschichte aufzunehmen und um an die Enkel weiter zu geben, was uns bewegt hat". Respekt zollte Eck, "weil diese Maßnahme nicht von Bund oder Parlament beschlossen, sondern selbstständig von der Gemeinde zusammen mit den Bürgern entwickelt wurde. "Das Mahnmal ist ein Zeichen für den Aufbruch in eine Zukunft, in der wir auf dem Fundament des Friedens stehen wollen", so Eck.


Außerdem gehören zum Euerbacher "Kulturachter" u.a. der Grenzsteingarten, auf dem Flur und Dorf in Miniatur-Format dargestellt sind; die renaturierte Euer an der Wegeverbindung nach Geldersheim; die obere und untere Mühle sowie der Zimmermannsplatz; die Schnittstelle mit dem Jakobsweg von Fulda nach Würzburg; das spätmittelalterliche Stefanskreuz; Judenbrücke und Storchenbrünnle; der Judenfriedhof Richtung Obbach und der Englische Park, einst ausgestattet mit Tanzplatz, Wirtshaus, Kegel- und Schießplatz sowie Aussichtsturm.

Start und Ziel des Weges befinden sich jeweils am alten Rathaus von 1537.


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